Ein Gespräch über das Mama sein…

Wie kann ich eine sichere Bindung zu meinem Kind aufbauen? Wie kann ich eine gute Mama sein und gleichzeitig auf meine eigenen Bedürfnisse achten? Diese und viele weitere Fragen sind wohl für fast alle Mütter von großer Bedeutung. Noch essentieller wird die Thematik wenn eine Mama psychisch erkrankt. Wir haben mit unserer psychologischen Leiterin Tina Rossmann über die Herausforderungen des Mama seins und unser Projekt Willkommen im Leben gesprochen – viel Vergnügen beim Lesen!

Tina

Was sind die größten Herausforderungen für die Frauen?

Tina Rossmann: Ein großes Thema ist das „Sich einlassen können“ auf die Schwangerschaft und das Baby. Fragen, wie Mütter eine gute, sichere Bindung mit dem Baby aufbauen können, wie sie feinfühlig auf ihre Babies eingehen und erkennen können, was ihre Kinder brauchen und dabei sich selbst wahrzunehmen und gut und sorgsam mit sich umzugehen, ist für betroffene Mütter eine besondere Herausforderung. Viele unserer Klientinnen sind alleinerziehend und müssen ihr Leben ohne familiären Rückhalt meistern. Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, auch andere Hilfemöglichkeiten zu erkennen und anzunehmen.

Was macht in deinen Augen Willkommen im Leben einzigartig? Was zeichnet dieses Projekt besonders aus?

Tina Rossmann: Es ist ein kostenloses Angebot für Familien, auf freiwilliger Basis in Form einer individuellen Begleitung. Ziel ist, eine gute, sichere Bindung zwischen den Eltern und dem Kind zu ermöglichen. Wir bieten mit unserem aufsuchenden Angebot einen sicheren Rahmen für alle Fragen und in Krisensituationen. Der Fokus liegt immer auf der Eltern-Kind-Bindung und den Ressourcen der betroffenen Familien.

An wen genau richtet sich Willkommen im Leben?

Tina Rossmann: Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen betreuen wir im gesamten Bundesland Salzburg Familien, in denen die Mutter vor oder während der Schwangerschaft psychisch erkrankt und Familien, die sich für sich selbst unsere Begleitung und Hilfe wünschen.

Welche sind die schönsten Momente in deiner Arbeit bei Willkommen im Leben?

Tina Rossmann: Wenn eine vertrauensvolle, sichere Bindung zwischen Eltern und Kind sichtbar wird, die Frauen erkennen, dass sie so wie sie sind, gut für ihr Kind da sein können, wenn ihr Zutrauen in in das eigene Mama-Sein wächst und sich die Mütter bei Fragen und Unsicherheiten gleichzeitig offen und vertrauensvoll an uns wenden, wenn die Familien sich sicher fühlen und beginnen ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen – das sind die besonderen Augenblicke, die uns auch motivieren, immer weiter zu machen.

Was würdest du dir zukünftig für das Angebot Willkommen im Leben wünschen?

Tina Rossmann: Wir brauchen dringend mehr Plätze – derzeit können wir auf Grund der nicht gesicherten Finanzierung keine neuen Familien aufnehmen, obwohl die Nachfrage groß ist. Mit jenen Familien, die schon im Projekt sind, würden wir gern noch intensiver therapeutisch arbeiten können; wir würden die Arbeit gern an ihren tatsächlichen Bedarf anpassen und zum Beispiel im Falle einer Krise ausweiten können. Eine große Freude für uns wäre auch, wenn wir noch mehr Paten für unsere Babies gewinnen könnten. Diese Bezugspersonen sind von enormer Bedeutung im Hinblick auf ein gesundes Heranwachsen der Kinder. Denn es ist so: je früher wir Hilfe anbieten können, desto wahrscheinlicher wird es für die betroffenen Kinder, dass sie in ihrem späteren Leben nicht selber eine psychische Erkrankung erleiden.
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